„Fremde, erwachsene Hunde spielen nicht“ – eine persönliche Meinung von Ela Badewien

Immer wieder begegnet mir in meiner Hundeschule die Frage: „Bietet ihr auch eine Spielgruppe an?“

Oder nachdem Hunde aus den offenen Welpen- bzw. Junghundegruppen in die offene Grunderziehungsgruppe wechseln, sind die Besitzer oft enttäuscht, dass es in diesen Unterrichtsstunden keinen Freilauf mehr gibt.

Zum einen liegt dies an den organisatorischen Begebenheiten einer offenen Gruppe mit erwachsenen bzw. jungen erwachsenen Hunden. In einer solchen Gruppe sind bei uns Hunde mit unterschiedlichsten „Specialeffects“ anwesend. Dort „mal eben“ die Leinen zu lösen und zu sehen, was passiert, würde in so manchem Fall unter „grobfahrlässig“ fallen.

Doch auch im unproblematischeren Fall führt eine „Zwangsbespaßung“ der Hunde untereinander für den Alltag mit dem Hund meist wenig zum Ziel.

Unsere Hunde sollen uns vielfältig im Alltag begleiten und in den meisten Fällen ist dies auch der Wunsch des Besitzers.
Doch wenn ein Hund die Anwesenheit anderer Hunde immer als Actionfaktor kennengelernt hat, dann werden andere Hunde immer eine Herausforderung für die Impulskontrolle des eigenen Hundes bleiben.

Und gerade in einer Unterrichtsstunde, in der fremde Hunde anwesend sind, die mit unter ihre eigenen Schwierigkeiten mit der Anwesenheit anderer Hunde haben, ist das konzentrierte Arbeiten mit dem Besitzer eine große Herausforderung.
Das Meistern dieser Herausforderung schweißt das Mensch-Hund-Team zusammen. Der Hund lernt seinen Menschen als tollen Sozialpartner kennen, der ihn eben durch alle Ablenkungen und Unwegsamkeiten begleitet und führt.

Und just in diesem Moment hat der eigenen Hund Unmengen an Sozialkontakt – Sozialkontakt, der ihn im Leben weiterbringt. Nämlich, dass man nicht zu jedem entgegenkommenden Hund hinspringen muss, dass man seinen Menschen nicht permanent von den Füssen ziehen muss. Der eigene Hund lernt auch, sich an seinem Menschen zu orientieren. Der Hundeführer lernt bei uns, die Individualdistanz seines und die der anderen Hunde kennen und respektieren.

Für mich persönlich ist wichtig, dass der Mensch erkennt, dass fremde, erwachsene Hunde eben NICHT miteinander spielen. Die Betonung liegt hier auf „fremd“ UND „erwachsen“.
Unter erwachsenen Hunden, die sich kennen KANN durchaus ein wunderschönes Spiel entstehen. Gleiches gilt auch für Welpen bzw. Junghunde, die sich nicht kennen, auch hier KANN ein für beide Seiten gewinnbringendes Spiel entstehen. Für Welpen bzw. Junghunde ist ein kontrolliertes und geführtes Spiel sogar für die Entwicklung wichtig, denn auch hier werden alle Verhaltensweisen geübt, die man später im Erwachsenenleben einmal brauchen könnte.

Doch wie sieht das eben bei fremden UND erwachsenen Hunden aus? Bei Hunden, die vielleicht schon die eine oder andere schlechte Erfahrung mit Artgenossen gemacht haben, bei Hunden, die vielleicht von ihrem Menschen in der einen oder anderen brenzligen Situation keine Unterstützung erfahren haben? Getreu nach dem Motto: „Lass mal, das machen die schon unter sich aus!“.
Hat sich schon einmal jemand Gedanken gemacht, WAS die Hunde da angeblich unter sich ausmachen?

Im günstigsten Fall geht es nur darum, wer der größte Macho oder die größte Rennsemmel auf dem Platz ist. Wenn es jedoch darum geht, das Gegenüber aus dem Pelz zu hauen, bevor der Andere es tut, wenn es um Ressourcen (und sei es nur um den schönsten Pinkelplatz auf der Wiese) geht, dann kann das ach so toll aussehende Spiel ganz schnell kippen und bleibende Spuren in der Psyche unseres Hundes hinterlassen.
Noch mal, es geht bei meiner Meinung um fremde UND erwachsene Hunde.

Ausnahmen bestätigen hier für mich immer die Regel. Wenn es gut klappt, auch unter fremden, erwachsenen Hunden, dann muss die Chemie unter allen Beteiligten stimmen. Aber das ist dann meistens eben nur Zufall.

Mir stellt sich oft die Frage, warum man den Hund nicht als das behandeln kann, als das was er ist, nämlich als einen Hund. Zwar eines der sozialsten Lebewesen unter unserer Sonne, aber eben als einen Hund und nicht als einen Menschen auf vier Pfoten.
Aber selbst, wenn wir unseren Hund, als einen kleinen Menschen behandeln wollen würden, warum gestehen wir unserem Hund nicht das Gleiche zu wie uns selbst? Mögen wir JEDEN Menschen, dem wir auf der Straße begegnen? So sehr, dass wir und von diesem fremden Menschen umarmen und abknutschen lassen wollen würden?
Aber unser eigener Hund soll sich das von jedem anderen Hund gefallen lassen? Finde den Fehler!

Ein kleines Bild zur Verdeutlichung:

Ein freilebendes Hunderudel trifft auf ein Mitglied eines anderen fremden Hunderudels. Glaubt irgendjemand ernsthaft, die Beteiligten würden eine Spielgruppe eröffnen?
Wenn der eigene Hund ein oder zwei gute Hundekumpel hat, dann hat der Hund den Spielkontakt, der ihn glücklich macht. Eine gute Hundefreundschaft zeichnet sich jedoch nicht durch permanentes hintereinander Herrennen oder permanente Action aus. Bei einer guten Hundefreundschaft kann man auch einfach mal nebeneinander liegen, ja, da gibt es auch Action, aber eben nicht nur.
Bei allen anderen Hunden wünsche ich mir von meinem eigenen Hund, dass er anderen Hunden gegenüber neutral ist, dass er nicht aus der Jacke fährt, wenn ihm jemand zu nahekommt, egal ob positiv oder negativ.

Das ist doch genau das, was wir im Alltag mit unserem Hund brauchen, wenn er für uns ein Begleiter sein soll.
Bei uns in der Hundeschule zeigen wir Euch, worauf es bei entspannten Hundebegegnungen ankommt. Ja, es gibt nicht nur Schwarz oder nicht nur Weiß, jedoch ist es wichtig so manches, was wir uns in unserem eigenen Kopf vorstellen, reflektiert zu hinterfragen.
Wir helfen Euch gerne dabei, eben genauer hinzusehen!

Eure Ela

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